The Green No-Deal

Kurz vor 10 Uhr erreichten auch mich die Breaking News des Tages per Massenmail: Aufgrund der notwendigen Einsparungen müssten bedauerlicherweise weitere Maßnahmen getroffen werden. Die Dienste des externen Gärtners, der bisher einmal pro Woche ins Dienstleistungsgebäude kam, würden künftig abbestellt werden. Die gute Nachricht: Man hätte sich für die Mitarbeiter ins Zeug gelegt und einen guten Deal herausgehandelt und somit unsere geleaste Bürobegrünung gekauft, womit sie uns erhalten bliebe, sie jedoch eigenständig durch die Mitarbeiter selbst gegossen und gepflegt werden müsse. Das Sahnehäubchen: Gießkannen in verschiedenen Volumina könnten über die interne Beschaffung bestellt werden und gingen natürlich aufs Haus. Dieser großartige Green New Deal sorgte bei meiner Vorgesetzten sogleich für Beunruhigung. Mit einer Mischung aus Empörung und Besorgnis in ihrer Stimme eröffnete sie das wöchentliche Jour Fixe, welches seit dem vorigen Geschäftsjahr wohl aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen nunmehr mit Team Meeting betitelt war, mit der dringenden Frage, welche Vorgehensweise wir nun angesichts dieser Sparmaßnahme, die uns alle gleichermaßen betreffe, nun innerhalb unseres Team wählen wollten. Das Schweigen ordnete sie wohl als Innegehen jedes einzelnen Mitarbeiters ein und sie beschloss, uns noch 2, 3 Minuten zu geben, bevor wir unsere Ideen einem gemeinsamen Brainstorming unterziehen würden. Das Kollegium tauschte ungläubige Augenverdreher aus. Normalerweise sagte ich nie etwas in Team Meetings. Diese Taktik hatte ich bereits in Schule und Studium angewandt und war bisher immer exzellent damit gefahren. Normalerweise gab es immer zumindest eine andere Person, die eine Wortmeldung als Opfer spendete. An diesem Tag sollte es aber ich sein. Die Absurdität des „Problems“ überstieg für mich eine gewisse persönliche Schwelle, so dass es plötzlich aus mir herauskam, dass ich zuversichtlich wäre, dass wir das auch ohne fixen Gießplan schaffen könnten. Dass es wohl schon irgendwer machen würde, wenn das Grünzeug wirklich durstig aussah. Die Ausdruckslosigkeit der Gesichter aller Anwesenden wertete ich als Zustimmung und als auch nach einer halben Minute kein weiterer Einwand kam, schien auch meine Vorgesetzte akzeptiert zu haben, dass ihr Kampf verloren war und die Pflanzen von nun an ihrem Schicksal überlassen waren.

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