Die österreichische Quantitätszeitung

Wie kann das sein? Wie, frage ich mich, wenn doch das Journalismusstudium in Wien immer heillos überlaufen ist? Kann sich eine der in Österreich bekanntesten und von sich selbst als Qualitätsmedium sprechende Tageszeitung denn nicht die besseren Absolventen aussuchen? Oder sind das schon die besseren Absolventen, geschweige denn -innen? Muss heutzutage jeder Hanswurst-Beitrag mit ca. 2000 Worten, der keinerlei auch nur annähernd rechercheintensive Passagen enthält, sich auf keine tiefschürfenden Gedankengänge begibt und auch stilistisch eher matt und nicht glänzend daherkommt von drei (!) Journalisten (?) erstellt werden… Wenn es hier um Beschäftigungstherapie geht, dann ist es für mich ja noch ok, wobei ich als zahlender Zeitungskunde wohl andere Möglichkeiten wüsste, wie ich tatsächlich bedürftige Menschen sinnvoller mit meinem Abo-Beitrag unterstützen könnte. Und bevor ich etwas an die Zeitung spenden würde (siehe Bild unten), würde ich der Redaktion erst einmal raten, vielleicht bei eher unwichtigen und verzichtbaren Beiträgen nur einen Reporter zu beauftragen, um Ressourcen zu sparen, wenn das Endergebnis bei mehreren Beteiligten sowieso nicht perspektivenreicher ausfällt. Andererseits wundert es mich auch nicht wirklich. Möglicherweise haben Journalismus-Absolventen ja noch nie alleine etwas recherchiert und geschrieben und wären dem gar nicht mehr gewachsen. Denn auch auf der Uni und hier beispielsweise in der Forschung ist bei wissenschaftlichen Papers immer mehr der Trend zu Autorenschaftschaften mit einer Gruppenanzahl im zweistelligen Bereich zu beobachten. War es früher doch relativ verbreitet, alleine oder eventuell zu zweit ein Forschungspapier zu publizieren, erstreckt sich die Aufzählung aller Autoren in der heutigen Zeit oft über drei oder vier Zeilen, wobei vermutlich nur der Erstautor überhaupt Bescheid weiß, worum es in dem gesamten Paper geht. Dass ein Wissenschafter (alle) Analysen für seine Versuche selbst durchführt, ist vielerorts eine Rarität, so war es etwa auch in meiner damaligen Arbeitsgruppe. Für manche Forschungsfragen ist dies einleuchtend, sind die Analyseverfahren heute doch oft komplex und es benötigt einiges an Erfahrung und Know-How, um diese durchzuführen. Oft scheint es aber Publikationsstress, intellektuelles Unvermögen oder einfach Desinteresse bzw. nur sehr oberflächliches Interesse am Gebiet zu sein, dass sich auch und vielleicht sogar besonders junge Forscher nicht mehr die Mühe machen wollen, sich mit allen Aspekten und Berührungspunkten „ihres“ Themas auseinanderzusetzen. In Anbetracht der jährlich immer weiter steigenden Anzahl an Uni-Absolventen wird der „Markt“ teilweise überschwemmt, zumindest an Mittelmäßigkeit. Denn es scheint, als wäre die Devise: Viel hilft viel – Quantität vor Qualität. Und ich will mich hiervon gar nicht ausnehmen. Auch ich weiß von meinem Studium gerade so viel, wie ich zum Bestehen der Prüfungen benötigte, abzüglich dem über die Zeit immer weiter sinkenden Wissensverfallfaktor, der exponentiell fällt und asymptotisch gegen 0 strebt. Teilweise würde ich die Wissenshalbwertszeiten bei nur ca. 10 Minuten nach prüfungsbedingten Abruf anberaumen. Und ja, entlarvt, ich bin keine Mathematikerin und werfe nur mit Begriffen um mich, um mit meinen Worten zu blenden und hohen Intellekt im Vergleich zum gemeinen Durchschnittsösterreicher vorzutäuschen. Ein typisches Produkt unserer Universitäten also.

Gut, dass beim Standard wenigstens alle Virologen und Ärztinnen sind! Offen scheint beim Lesen so mancher Artikel zu bleiben, von wem die oft nur sporadisch inmitten eines Meeres an persönlicher Meinungen eingearbeitete Fakten verifiziert werden, wie es in diesem kleinen Donationsgesuch behauptet wird. Bitte um Ihre Spende, damit sich unsere österreichische Medienlandschaft wieder etwas mehr Qualitätsjournalisten leisten kann und nicht gezwungen ist, fehlende Expertise durch eine Horde an mit Plattitüden, Kindergarten-Psychologie und unangebrachter Arroganz um sich werfender Meinungsblogger, die vermutlich noch nie Kontakte zu Menschen außerhalb ihres Milieus hatten, zu kaschieren. Denn es besteht doch ein Funke Hoffnung, dass „Ausbau von Redaktion und Community“ nicht nur bedeutet, dass etwa mehr Personal zum Durchforsten unangemessener Forenbeiträge aufgewendet wird.

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